Entscheidungen, oder alles zu seiner Zeit

Als Mom sich entschied, dass ich zu ihr ziehen sollte, war das keine spontane Handlung. Wie ich schon erzählte, beobachtete sie mich bereits seit längerem aus der Ferne. Mit meinen hübschen Spitzöhrchen bin ich ihr damals ja gleich ins Auge gestochen. Aber es ging halt nicht. Weil, sie baute sich mit Luna gerade ein neues Leben auf. Sie hätte nicht die Zeit für mich gehabt, die ich gebraucht hätte. Die Umstände waren einfach zu ungünstig, dass ich da auch noch eingezogen wäre. Mom fand das sehr schade, aber sie hoffte, dass ich bald ein schönes Zuhause finden würde. Und bis dahin war ich in dem Refugio bei Claudia ja auch gut untergebracht.

 

Und dann passierten mehrere Dinge, die alles veränderten. Aber der Reihe nach. Als Mom mich das erste Mal auf der Vermittlungsseite sah, lebte sie mit Luna noch in der Nähe von München. Mom und Luna blieben nicht lange in der Wohnung, da die eh nur als Übergangslösung gedacht war. Weil Mom lebt lieber so richtig auf dem Land. Also so, dass man Morgens gleich auf dem nächsten Feldweg ist, oder noch am besten im Wald. Weil den Wald, den mag sie am liebsten. Und so kam es, dass die Beiden zusammen mit Oma, der Mama von Mom, in den Bayerischen Wald zogen. Da fuhr Mom schon seit ganz vielen Jahren hin, wegen der tollen Natur dort. Sie zogen in ein Haus, welches ganz ruhig liegt und man ganz schnell im Wald ist. Das ist vor allem im Sommer gut, wenn es heiß ist.

 

Dann kam hinzu, dass Luna mittlerweile auch älter geworden war. Sie war ja kein Jungspund mehr wie ich, als sie zu Mom kam. Daher ging sie nun auch nicht mehr so oft mit Mom in die Arbeit und spazierte dafür mit Oma gemütlich durch die Gegend. Luna ging sozusagen in Rente, wie Oma. Jetzt ist es aber so, dass Mom für ihre Arbeit einen Hund braucht der ihr hilft. Weil sie andere Hundehalter berät wie sie mit ihren Vierbeinern auf einen Weg kommen. Und da wird sie eben von den Hunden unterstützt die bei ihr leben.

 

Als Hund kann man halt einiges besser vermitteln und zeigen und wir sind dann auch immer eine große Hilfe für die jeweiligen Kundenhunde. Also rückte ich wieder in den Fokus. Und dann passierte zeitgleich noch etwas, Corona. Das hatte zur Folge, dass Mom nicht richtig arbeiten durfte. Da wurde ganz viel zugesperrt und weil sie eben mit Menschen arbeitet betraf das auch sie. Sie machte, was möglich war, von zu Hause aus. Weil aber viel nicht ging, hatte sie auch viel Zeit übrig.

 

Bei uns in Italien war das übrigens am Anfang ganz schlimm. Da durften die Menschen teilweise nicht mehr irgend wohin fahren. Weil so viele krank wurden und auch starben. Claudia aus dem Refugio hatte da echt Schwierigkeiten Futter für uns zu bekommen. Teilweise bekamen wir nur altes Brot aus dem Supermercato, weil keine Futterlieferungen ankamen und sie auch nicht wohin fahren durften um welches zu holen.

 

Jedenfalls hatte Mom viel Zeit, lebte am richtigen Ort (ein Umzug stand nicht an) und es wurde ein Arbeitsplatz für Vierbeiner frei, weil Luna in Rente gegangen war. Und so befand sie, dass wenn sie schon nicht vollumfänglich arbeiten darf die nächsten Monate, sie das Beste daraus machen sollte. Und wie es der Zufall so wollte, hatte ich immer noch kein Zuhause. Sie frage nach, ob da vielleicht ein Fehler auf der Vermittlungsseite war. War kein Fehler. Sie machte sich schlau, ob überhaupt Transporte möglich waren. Waren sie wieder. Und somit war die Entscheidung gefallen. Ich durfte in den Bayerischen Wald reisen und dort ein neues Leben beginnen. Die beste Entscheidung ever!

 

Ihr seht also, auch wenn etwas nicht gleich möglich ist und man es schade findet, irgendwann wird der richtige Zeitpunkt kommen. Hätte Mom mich früher geholt, wäre das für uns Alle keine gute Entscheidung gewesen. Ich hätte mich gar nicht so einfinden und entwickeln können. Luna wäre genervt gewesen und Mom sehr traurig. Es war Zufall, Schicksal oder was auch immer, dass ich noch kein Zuhause bis dahin hatte. Wäre ich vermittelt gewesen, wäre sicherlich ein anderer Hund bei Mom und Luna eingezogen. Und auch der hätte es verdient. Denn es gibt ganz viele von uns, die auf der Suche sind und sich ein schönes Zuhause wünschen.

 

Da wir jedoch diese Entscheidung nicht treffen können liegt die Verantwortung ganz bei euch. Und es kommt leider immer wieder vor, dass nach kurzer Zeit die Freude verfliegt und der Mensch feststellt, dass er vorschnell gehandelt hat. Wenn ihr einen Hund adoptiert, dann bedeutet das, dass ihr viel, viel Zeit und Geduld benötigt. Egal woher wir kommen. Ob wir ein Hundebaby, ein erwachsener Hund oder ein älteres Semester sind. Wir sind Lebewesen und keine Biontechs.

 

Daher bitte ich euch sehr, wohlüberlegt und im Sinne aller Beteiligten zu entscheiden.

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